Die Schultersteife (Frozen Shoulder)

Unter der Schultersteife versteht man ein eigenständiges Krankheitsbild, welches zur Einsteifung des Schultergelenkes führt. Neben dem Begriff Schultersteife gibt es noch eine Vielzahl anderer Begriffe, die weitgehend alle das gleiche Krankheitsbild beschreiben wie z.B. Frozen Shoulder, schmerzhafte Schultersteife, adhäsive Kapselsteife, adhäsive Kapselfibrose und adhäsive Kapsulitis, um nur einige zu nennen. Die Schultersteife ist gekennzeichnet durch eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung im Schultergelenk.


Wie sind die Symptome der Schultersteife?

Die Schultersteife beginnt meist schleichend. Am Anfang stehen langsam beginnende Schmerzen, die im Verlauf stärker werden. Zunächst steht der Schulterschmerz im Vordergrund. Danach entwickelt sich langsam eine Einsteifung des Schultergelenkes, welche zu einer deutlichen Bewegungseinschränkung führt. Nicht selten ist das Gelenk zwischen Oberarmkopf und dem Glenoid (Gelenkpfanne am Schulterblatt) am Ende vollständig eingesteift. Da jedoch das Schulterblatt beweglich bleibt, können die Betroffenen hierrüber meist einen großen Teil der eigentlichen Einsteifung kompensieren. Sehr störend können die oft ebenfalls auftretenden Nachtschmerzen sein die erheblich die Lebensqualität einschränken.

Wodurch wird das Krankheitsbild der Schultersteife ausgelöst?


Für eine Schultersteife gibt es viele Auslöser. Unfälle mit Ruhigstellung des Gelenkes können zur Einsteifung der Schulter führen, aber auch kleine unbedeutende Unfälle können bereits eine Schultersteife auslösen.
In der Mehrzahl der Fälle ist die Schultersteife aber "idiopathischer" Natur. Das bedeutet, dass man den eigentlichen Auslöser nicht kennt bzw. keinen ursächlichen Grund für die Einsteifung benennen kann. Menschen mit Stoffwechselstörungen sind häufiger von einer Schultersteife befallen. Hierzu gehören zum Beispiel Zuckerkranke (Diabetiker) oder Patienten mit Schildrüsenerkrankungen und Fettstoffwechselstörungen.
Besonders bei Erkrankungen der Halswirbelsäule wie zum Beispiel dem sogenannten degenerativen Halswirbelsäulensyndrom (ein schmerzhafter Halswirbelsäulenverschleiß), sind Schultersteifen häufiger zu beobachten. Des Weiteren neigen Patienten mit einer Dupuytrenschen Erkrankung der Hände eher zu einer Schultersteife.
Alle schmerzhaften Schultererkrankungen wie die Kalkschulter (Tendinitis calcarea), ein Impingementsyndrom oder Rotatorenmanschettenrisse können durch Schmerzen zu einer Schultersteife führen.
Es gibt aber auch sehr viele Fälle wo gar kein Auslöser oder Zusammenhang mit einer anderen Erkrankung zu finden ist. Der genaue Auslöser ist in all diesen Fällen bis heute unklar.
Von der Schultersteife sind vor allem Patienten im mittleren Lebensalter, zwischen dem 40 und 70 Lebensjahr betroffen. 

Wie ist der Krankheitsverlauf der Schultersteife?


Die Erkrankung der Schultersteife verläuft meist in drei Stadien

In der ersten Phase die Initial oder auch Entzündungsphase genannt wird stehen vor allem zunehmende Schmerzen im Schultergelenk im Vordergrund.  Oftmals beginnen die Beschwerden spontan oder festzustellenden Auslöser.  Mit zunehmenden Beschwerden treten auch Ruhe und vor allem nächtliche Schmerzen auf.
In der zweiten Phase auch Einsteifungsphase genannt klingen die Beschwerden oftmals wieder langsam ab. Jetzt kommt es zu einer zunehmenden Bewegungseinschränkung im Schultergelenk. Diese wird zu Beginn oftmals gar nicht richtig wahrgenommen, da aufgrund der Beschwerden der Arm noch geschont wird. Aber insbesondere die Außwärtsdrehung und das Abspreizen des Arms sind oftmals bereits erheblich eingeschränkt. Nachfolgend wird auch die Beweglichkeit für die Inndrehung und das nach vorne Heben des Arms schlechter. Da die Einsteifung zunächst gut über Schulterblattbeweglichkeit kompensiert werden kann  kommen Patienten nicht selten aufgrund der Schmerzen zum Arzt und haben selbst das fast vollständig eingesteifte Schultergelenk noch nicht richtig wahrgenommen.
In der dritten und letzten Phase kommt es zu einer Besserung der Beweglichkeit. Schmerzen sind in dieser Phase nur geringfügig oder gar nicht mehr vorhanden. Nach und nach kommt die Beweglichkeit im Schultergelenk wieder zurück. Ob jedoch die vollständige Beweglichkeit wie vor Beginn der Erkrankung wieder erreicht wird ist nicht sicher vorherzusagen.
 Wie lange die Erkrankung verläuft insbesondere wann das dritte „Heilungsstadium“ erreicht wird  ist nicht mit Sicherheit vorherzusagen. Die Krankheitsverläufe sind sehr unterschiedlich. Einige Patienten zeigen bereits nach ca. 1 Jahr nach Beginn der Erkrankung bereits eine deutliche Besserung der Schulterbeweglichkeit. Andere zeigen auch nach 36 Monaten nur eine geringfügigere Besserung der Beweglichkeit.
Der Verlauf der Erkrankung ist natürlich durch eine spezielle Therapie günstig zu beeinflussen und abzukürzen.


Der Gesamtzeitraum, in dem diese zurgenannten Phasen der Schultersteife ablaufen, also Initial- + Einsteifungs- + Auftauphase, ist individuell sehr unterschiedlich. Einzelne Patienten bringen den ganzen Verlauf binnen 12 Monaten hinter sich, eine ganze Reihe von betroffenen Schultersteifepatienten braucht bis zu 36 Monaten.


Wie stellt der Arzt die Diagnose Schultersteife?

Bereits im Gespräch mit dem Patienten ergeben sich viele Hinweise für den erfahrenen Arzt auf die Diagnose Schultersteife. Auch die Beobachtung des Patienten wie er sich beim Auskleiden für die weitere Untersuchung bewegt  kann schon zur Verdachtsdiagnose Schultersteife führen.
Die Untersuchung bestätigt dann meist  die zuvor schon vermutete erhebliche Einschränkung der Schulterbeweglichkeit. Wichtig ist bei der Untersuchung, dass der Arzt das Schulterblatt am Brustkorb fixiert um so Ausgleichbewegungen und Kompensationsmechanismen ausschaltet. Nur so kann die vollständige Bewegungseinschränkung des Gelenkes zwischen Oberarmkopf und Schulterblatt (Gleno-Humeral-Gelenk)erfasst werden.
Bildgebende Verfahren wie Ultraschalluntersuchung der Schulter (Schultersonographie) dienen vor allem dem Ausschluss anderer Ursachen einer Bewegungseinschränkung der Schulter z.B. Infektion oder Riss einer Schultersehne.  Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass bei der primären oder idiopathischen Schultersteife die Ultraschalluntersuchung oftmals einen nahezu unauffälligen Befund ähnlich eines  Gesunden zeigt.
Auch die Röntgenaufnahme, die angefertigt werden sollte, dient vor allem dazu einen fortgeschrittenen Verschleiß oder andere  ernstere Erkrankungen auszuschließen. Bei der idiopathischen Schultersteife ist auch diese Aufnahme meist unauffällig.
Nach der Ultraschalluntersuchung durch den erfahrenen Untersucher und der Röntgenaufnahme ist die korrekte Diagnose meist schon gestellt. Durch den  Einsatz moderner hochauflösender Ultraschallsysteme kann auf die früher oft Routinemäßig durchgeführte Kernspintomographie oft verzichtet werden.  Nur bei zweifelhaften Befunden in den vorherigen Untersuchungen ist die Kernspintomographie zum Ausschluß ernsterer Erkrankungen wie z.B. Knochentumore wichtig. Bei der idiopathischen Schultersteife zeigt auch die Kernspintomographie keine für die Erkrankung beweisbaren Veränderungen.
Die Diagnose wird somit vor allem durch die krankheitstypischen Einschränkungen der Beweglichkeit, der Vorgeschichte und dem weitgehenden Fehlen von Veränderungen in der Bildgebung gestellt.

Wie wird die Schultersteife behandelt?

Oberstes Behandlungsziel ist natürlich das Wiedererlangen der normalen  schmerzfreien und vollständig freien Beweglichkeit des befallenen Schultergelenkes. Grundsätzlich sollte zunächst eine konservative Therpie, d.h. eine nichtoperative Therapie erfolgen. Aufgrund des Phasenhaften Verlaufes der Erkrankung ist die Behandlung den einzelnen Erkrankungsphasen anzupassen.


Die anfängliche Behandlung der Schultersteife ist eine Domaine der konservativen ( nichtoperativen Therapie ). Durch gezielte physikalische Therapie und insbesondere Physiotherapie / Krankengymnastik, lassen sich viele Schultersteifen deutlich verbessern. Bei der Krankengymnastik finden Methoden wie die Kryotherapie ( Kältetherapie ) Anwendung. Übungen im Wasser, z.B. im Bewegungsbad können hilfreich sein.
Speziell erarbeitete Heimtrainingsprogramme, die der Erkrankte in Eigeninitiative über Wochen durchführt sind sehr sinnvoll. Als Anleitung kann z.B. unser Schulterübungsprogramm dienen, welches Sie in unserem Downloadbereich kostenfrei herunterladen können.

Je nach Stadium der Schultersteife behandelt man unterstützend mit Medikamenten wie Entzündungshemmern ( sog. NSAR = Antiphlogistika ) und Schmerzmitteln. Eine weitere sehr wirsakme Medikamentengruppe bei der Schultersteife sind die Cortisone. Diese haben wissenschaftlich ihren positiven Effekt auf den Verlauf der Erkanrkung bewiesen. Neben Injektionen (Spritzen) in das Gelenk mit einem Kortison hat sich ein Kortisonstufenschema, welches oral (als Tablette) eingenommen wird als efffektiv erwiesen. Die Tabletten werden in der Regel in absteigender Dorsierung über einen Zeitraum von 3 bis 6 Wochen verabreicht.

Von der oftmals praktizierten gewaltsamen Lösung der Schultersteife in Narkose (Narkosemobilisation)  verabschieden sich mehr und mehr die Schulterspezialisten. Bei diesem Eingriff wird der Patient in Vollnarkose versetzt und die Schulter vom Operateur gewaltsam durch bewegt, hierbei kommt es zur unkontrollierten Lösung von Verklebungen aber auch Einrissen in die Gelenkkapsel. Der nicht ganz ungefährliche Eingriff, mit dem Risiko von Knochenbrüchen, Sehnenrissen,  Gefäß und Nervenverletzungen, steht wissenschaftlich derzeit in der Kritik. Die gewünschten mittelfristigen und langfristigen Ergebnisse  stehen nach neuster Expertenmeinung nicht im Verhältnis zum Eingriff. Diese neuen Erkenntnisse decken sich mit unseren Erfahrungen zu dieser Therapie.

Alternativ zur gewaltsamen (unkontrollierten) Gelenkmobilisation kann über die Schulterarthroskopie eine Lösung von Verklebungen und Schrumpfungen der Kapsel unter Sicht kontrolliert erfolgen.  Dieser Eingriff ist aber nicht ganz einfach und gehört in die Hand eines erfahrenen Operateurs, da auch dieser Eingriff das Risiko von Gefäß und Nervenverletzungen birgt.

 

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Ihr Arzt

  • Herr Dr.med. Holger Groß Facharzt fur Orthopädie und Sportmedizin, Schulter- und Kniechirurgie, Ambulante Operationen

    Allg. Sprechstunde: +49.6831.3100 +49.6831.5031792 info@dr-gross.de
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