Talar Tilt Test

Der Talar Tilt Test (im Deutschen auch als talarer Kipptest bekannt) ist ein klinisches Standardverfahren zur Beurteilung der Stabilität des lateralen Kapsel-Band-Apparates, wobei der Fokus primär auf der Integrität des Ligamentum calcaneofibulare (LCF) liegt. In der sportmedizinischen Diagnostik, wie sie auch in den Leitlinien der VBG zur Beurteilung von Sprunggelenkverletzungen beschrieben wird, dient dieser Test dazu, eine höhergradige Instabilität nach einem Supinationstrauma festzustellen.

Durchführung und Technik

Zur Durchführung des Tests befindet sich der Patient meist in Rückenlage oder im Sitz, wobei die Beine entspannt herabhängen. Der Untersucher fixiert mit einer Hand den distalen Unterschenkel (Schien- und Wadenbein) unmittelbar oberhalb der Malleolengabel, um Ausweichbewegungen des Beins zu verhindern. Die andere Hand umfasst fest die Ferse (den Calcaneus). Der Fuß wird in einer neutralen Position (90°-Stellung) oder in leichter Dorsalextension gehalten. Anschließend führt der Untersucher eine forcierte Inversionsbewegung aus, indem er die Ferse nach innen kippt, wodurch die Außenbänder – insbesondere das LCF – unter Zugspannung gesetzt werden.

Befundinterpretation

Ein positives Testergebnis liegt vor, wenn sich der Talus (das Sprungbein) im Vergleich zur gesunden Gegenseite deutlich vermehrt aus der Knöchelgabel „aufklappen“ lässt. Dieses vermehrte Spiel im Gelenk deutet auf eine Insuffizienz oder eine Ruptur des LCF hin, oft in Kombination mit einer Verletzung des vorderen Außenbandes (LTFA). In der klinischen Dokumentation wird häufig der Grad der Aufklappbarkeit (z. B. im Seitenvergleich in Grad gemessen oder als „weicher Anschlag“ beschrieben) festgehalten.

Wie bereits im umfassenden Artikel erläutert, ist die diagnostische Sicherheit dieses Tests unmittelbar nach dem Unfallereignis aufgrund von Schmerz, Schwellung und reflektorischer muskulärer Gegenspannung oft eingeschränkt. Eine Wiederholung der Untersuchung nach etwa 4 bis 5 Tagen (Delayed Physical Examination) liefert meist deutlich validere Ergebnisse für die weitere Therapieplanung und die Einschätzung der Return to Sports (RTS) Kriterien.